Wertschöpfung im digitalen Wandel – eine kritische Betrachtung

"Out- oder Inhouse – Wertschöpfung auf Teufel komm raus?" – so lautet der Titel des Editorials der Dental Dialogue 8/2013, in der MACK Dentaltechnik-Geschäftsführer Alexander Mack das Thema Wertschöpfung, Spezialisierung und Fokusierung für Zahnlabore im Zeitalter der Digitalisierung kritisch betrachtet.
Der folgende Originaltext ist erschienen im Editorial der Dental Dialogue 8/2013 ...

 

 

 

Out- oder Inhouse – Wertschöpfung auf Teufel komm raus?

Der digitale Wandel ist in vollem Gange. Wer nicht selbst „digital fertigt“, gilt als veraltet und ist in naher Zukunft bereit für den letzten Gnadenstoß. Doch ist die Welt tatsächlich so schwarzweiß?

Moderne digitale Technologien bringen neue Fertigungsmöglichkeiten mit sich und bieten einen idealen Nährboden für Visionäre und Macher, die die Zukunft gestalten wollen. Jeder Technologiewandel – vor allem wenn er so umfassend ist wie aktuell in der Zahntechnik – wird auch die Komplexität erhöhen. Sogenannte innovative Produkte eignen sich ervorragend, die große Marketingmaschinerie anzuwerfen und unter dem Deckmantel der Innovation unausgereifte Produkte an den Mann zu bringen – Produkte, die unter Umständen in kurzer Zeit wieder veraltet sein können.
In einem sind wir uns jedoch alle einig: digitale Fertigungsmöglichkeiten werden den Anwendern weitere Indikationen erschließen. Zudem werden Software und Maschinen einfacher zu bedienen und zunehmend genauer sein. Auch wenn es sicher weiterhin Individualisten und Nischen geben wird, die auf digitale Prozesse verzichten können, so werden diese sicherlich die Ausnahme bleiben.

Was aber kommt auf Laborinhaber zu, die im „digitalen Markt“ der Zahntechnik mitspielen wollen? Muss man von heute auf morgen alle handwerklichen Arbeitsschritte digitalisieren? Muss die gesamte Kette vom Scanner über CAD sowie Fräs- und Schleifgeräte für teures Geld gekauft werden? Dies scheint aufgrund moderner Inhouse-Fertigungsgeräte, die inzwischen beinahe das gesamte Material- und Indikationsspektrum abbilden, einfacher als je zuvor. Dabei werben die Anbieter der Fräsgeräte fortlaufend damit, dass bei Inhouse-Systemen die Wertschöpfung im Haus bleibt. Das stimmt grundsätzlich schon, allerdings erfordern derartige Systeme enorme Einarbeitungszeit in die Maschinen-, Werkstoff- und Fertigungstechnik. Zeit, die man im Labor an anderer Stelle einsparen muss.
Mittlerweile kann man bereits eine Trendwende beobachten. Ausgerechnet größere Labore, die eigentlich ausreichend Volumen für die wirtschaftliche Inhouse-Fertigung im Labor hätten, ziehen sich aus der eigenen CAD/CAM-Fertigung zurück, um sich wieder verstärkt um ihre Kunden und ihre eigentliche Kernkompetenz zu kümmern: dem Designen von Zahnersatz (digital), die Individualisierung, Funktion und Ästhetik.
Wirft man einen Blick auf andere Branchen, so erkennt man, dass Technologieumbrüche in der Vergangenheit ebenfalls in sehr vielen anderen Bereichen stattgefunden und unter anderem auch zu arbeitsteiligen Abläufen geführt haben. Dabei sind vernetzte Zulieferketten und auf Teilschritte spezialisierte Lieferanten an der Tagesordnung. Auch im handwerklichen Umfeld gibt es Beispiele. So ist die CNC-Technik aus dem Schreinerhandwerk nicht mehr wegzudenken. Im Gegenteil: Die Technologie ist zwingend notwendig, damit individuell in Deutschland gefertigte Möbel bezahlbar bleiben.

CAD/CAM macht nicht alles einfacher, aber die Möglichkeiten steigen – auch für kleinere Labore. Neue Materialien oder Abläufe können von spezialisierten Dienstleistern wie Fräszentren „zugekauft“ werden.Neudeutsch wird dies Outsourcing genannt – ein Begriff, der für viele noch immer einen negativen Beigeschmack hat. Doch was steckt konkret dahinter? In der Regel können spezialisierte Dienstleister qualitativ hochwertigere Produkte zu einem besseren Preis anbieten, da sie sich nur um einen kleinen Teilbereich kümmern müssen und diesen dadurch perfektionieren können. Die Flexibilität im Labor wird dadurch erhöht. Zudem können das Lager und die damit verbundenen Lagerhaltungskosten reduziert werden. Und durch Outsourcing kann man Technologien anbieten, die entweder zu aufwendig oder zu kapitalintensiv sind. Ein sehr wichtiger Aspekt ist auch, dass fixe Kosten in variable Kosten umgewandelt werden können. Kosten fallen also nur dann an, wenn auch Leistungen bezogen werden. Durch die starken saisonalen Auftragsschwankungen im Labor kann dies ein Wettbewerbsvorteil sein, der bislang wenig Beachtung findet. Kosten werden flexibilisiert, Erträge optimiert.
Doch was ist nun die richtige Entscheidung für Ihr Labor? Eine pauschale Antwort ist nicht möglich, da sie vom Labor, dem Mitarbeiter-Knowhow der Altersstruktur, persönlichen Neigungen und vielem mehr abhängig ist. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn aus Furcht, den „digitalen Zug“ zu verpassen, überhastet in CAD/CAM Fertigungssysteme investiert wird. Denn eines ist sicher: Angst ist ein schlechter Berater.

Am Ende muss jedes Labor selbst entscheiden, welche Fertigungsschritte es bei der Herstellung des Zahnersatzes selbst in der Hand haben, und welche sie an andere abgeben, da sie es besser und in Summe günstiger hinbekommen. Als Laborinhaber sind Sie Handwerker und Künstler – aber auch Unternehmer. Und gerade in Phasen des Technologiewandels empfiehlt es sich, flexibel für die Zukunft zu bleiben, um weiter wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Wertschöpfung allein wird einem dabei nicht helfen. Das Erfolgsrezept für die Zukunft wird sein, dass die gesamte Wertschöpfungskette wirtschaftlich ist und qualitativ hochwertige Produkte liefert. Dadurch können wir den Herausforderungen der Zukunft mit schrumpfenden Krankenkassenbudgets und billigen Auslandszahnersatz gemeinsam etwas entgegensetzten.

Ihr
Alexander Mack